Susanne Neumann - Freie Journalistin - Natur- und Landschaftsführerin

  
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Reportage

Mit dem Handy auf Schatzsuche

Autorin: Susanne Neumann, in: Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Erft, 06.11.2009
cachErftstadt/Ville. „Ich geh da jetzt rein.“ Entschlossen hebt Jens (42) sein Knie an und tritt ins Gestrüpp. Mehrere Meter hüfthohe Brombeersträucher trennen ihn vom Schild mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“. Auf der darunter angebrachten Tafel vermuten wir eine Telefonnummer, die uns zum Schatz führen wird. Zum ersten Mal probieren meine Familie, Freunde und ich eine Freizeitbeschäftigung aus, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut: „Geocaching“ - Schätze suchen im Freien und mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS). Anhänger dieses Trendsports verstecken kleine Behälter - oft mit allerlei Krimskrams zum Tauschen - in der Natur oder draußen in Städten und veröffentlichen die geografischen Koordinaten und Beschreibungen des Verstecks („Cache“) in Datenbanken im Internet („Listing“). Andere suchen sich in diesen Datenbanken Verstecke in der Gegend aus, in der sie auf Schatzsuche gehen möchten.

Wir stehen an diesem sonnigen Sonntag an einer Wegkreuzung im Wald hinter dem Bahnhof von Erftstadt-Liblar und beobachten, wie sich Jens durchs Brombeergestrüpp kämpft. Hierher geführt hat uns das Handy meines Mannes, das uns als GPS-Gerät dient. Wie bei einer Schnitzeljagd müssen wir mehrere Wegpunkte (WPs) anlaufen und Rätsel lösen, um die Koordinaten des so genannten „Multicaches“ herauszufinden, den ich unter Berücksichtigung des vermutlich größten Spaßfaktors für die Kinder ausgesucht habe. Jens entdeckt tatsächlich eine Telefonnummer auf dem Schild. Mein neunjähriger Sohn David rechnet damit anhand einer in der Cache-Beschreibung genannten Formel die neuen Zielkoordinaten aus, mein Mann Michael tippt sie ins Handy. Auf der Landkarte im Display beginnt ein Punkt zu blinken. cach2

„Wir müssen den gleichen Weg zurück“, stellt Michael mit Blick auf sein Lieblingsspielzeug fest und marschiert los. Hüpfend folgen ihm die Kids, der Rest der Gruppe - sechs Erwachsene, von denen einer einen Buggy mit Kleinkind Louisa schiebt - kommt eher skeptisch nach. Etwa eine halbe Stunde lang können wir unser Ziel auf den Waldwegen verfolgen. Doch in der Nähe der Zielkoordinaten ist damit Schluss: „Da unten muss der Schatz irgendwo sein“, verkündet mein Mann und deutet eine Böschung hinunter. Drei Kinder und sieben Erwachsene - einer davon mit Kleinkind auf dem Arm - rutschen mehrere Meter unter Bäumen durch Laub und Triebe hinab in ein dichtes Nadelbaum-Wäldchen und beginnen es zu durchstöbern. Wir suchen den Cache im Villewald in einer so genannten „Dickung“, einem dichten Bestand aus jungen Bäumen. Heute weiß ich: da hätten wir auch nicht reingedurft. „Für Cacher gelten keine Sonderregelungen“, stellt Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft, klar. In der Ville dauert es nur wenige Minuten, bis wir in der tiefen Mulde einer Astgabelung eine Metallkiste gefunden haben, die sich als Cache entpuppt. Stolz dokumentieren wir unseren ersten Fund im Logbuch und verstecken die Kiste wieder so, wie wir sie gefunden haben. Nach diesem erfolgreichen Geocaching-Versuch habe ich keine größeren Schwierigkeiten, meine - eigentlich eher lauffaule - Familie zu einer zweiten Schatzsuche an diesem Nachmittag zu bewegen. Vom Parkplatz am Waldrand bei Erftstadt-Bliesheim aus führt sie uns zum Silbersee - zunächst auf den Wegen durch die ausgeschilderte „Naturwaldzelle“, eine Waldfläche, die ganz ihrer natürlichen Entwicklung überlassen und nicht beforstet wird. Wie Schölmerich mir im Nachhinein versichern wird, liegt der zweite Schatz, den wir locker fünfzig Meter vom nächsten Weg entfernt mitten im Wald unter Wurzeln aufspüren, nicht im geschützten Gebiet. Die besagte Naturwaldzelle, die abseits der Wege nicht betreten werden dürfe, ende an der Böschung oberhalb vom Silbersee. Schölmerich legt Geocachern ans Herz, die Regeln zu beachten. Andernfalls würde das eigentlich zu begrüßende Hobby Gefahr laufen, in Verruf zu geraten.
Bild oben:  Das Handy meines Mannes dient uns als GPS-Gerät
Bild rechts: David hat den Cache gefunden - eine Metallbox, versteckt unter Blättern in einer Astgabelung. Fotos: Susanne Neumann


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